Definition: "Diese Teilfunktion der Fertigungssteuerung überprüft zunächst, welche Dringlichkeit bei bekannten Fertigungsaufträgen vorliegt. Bei als dringend eingestuften Aufträgen wird in einem zweiten Schritt eine Belastungsprüfung der erforderlichen Kapazitäten durchgeführt. Die durchführbaren Aufträge werden anschließend automatisch freigegeben." (Quelle: www.logistik-lexikon.de)
Jede Arbeitsstation wird im Modell als Trichter aufgefasst, mit Zugang (ankommende Aufträge), Bestand (Aufträge, die auf Bearbeitung warten) und Abgang (abgearbeitete Aufträge, die Arbeitsstation verlassen). Dieses Trichtermodell wurde von Kettner und Bechte entwickelt und ist von großer Bedeutung für das Verständnis der Fertigungsablaufes.
Die Erfassung des Verlaufs der betreffenden Größen innerhalb eines bestimmten Zeitraums führt dann zu einem Durchlaufdiagramm, dessen prinzipielle Form in Verbindung mit dem Trichtermodell aufzeigt (siehe auch pdf-file).
Zu den Anwendungsvoraussetzungen für BOA zählen das Vorhandensein von Arbeitsplänen mit Vorgabezeiten für die Fertigungsaufträge, dass Kapazität von Personal und Maschinen für die nächsten Perioden bekannt sind, dass ausreichend Material und Betriebsmittel vorhanden und verfügbar sind, dass die Aufträge einen realistischen Endtermin haben, sowie dass Arbeitsrückmeldungen ausreichend genau und vollständig sind.
Die BOA berücksichtigt keine Verknüpfungen einzelner Aufträge zu den Primärbedarfen und garantiert demnach auch nicht die Termineinhaltung einzelner Aufträge. Auch optimiert sie nicht die Reihenfolge an den Arbeitsplätzen etwa unter dem Gesichtspunkt der Rüstzeiteinsparung oder eines geringst möglichen Werkzeugbestandes. Sie stellt vielmehr die logistische Prozessbeherrschung durch die Regelung von Durchlaufzeiten, Beständen und Auslastung in den Vordergrund. Die BOA wir dort vorteilhaft eingesetzt, wo Fertigungsaufträge mit einer großen Streuung hinsichtlich der Anzahl der Arbeitsgänge und der Auftragszeiten vorliegen und wo Kapazitäten konkurrieren.
Dies ist typischerweise in der losgebundenen Einzel- und Kleinserienfertigung der Fall, die nach dem Werkstättenprinzip organisiert ist. Derartige Situationen finden sich in Maschinenbauunternehmen für Investitionsgüter sowie in Betrieben der Elektrotechnik und der Kraftfahrzeug-Zulieferindustrie mit einem variantenreichen Teilespektrum, wo die Bildung von Fertigungsinseln nicht sinnvoll ist. Nach Untersuchungen enthalten nur eindrittel aller am Markt angebotenen PPS-Systeme die BOA als Verfahren.
Die Auftragsfreigabe bei der belastungsorientierten Auftragsvergabe erfolgt nach folgendem Ablaufprinzip: (siehe auch pdf-file)
Ermittlung dringlicher Aufträge:
Dringliche Aufgaben sind Aufträge, deren Starttermin im Vorgriffshorizont liegen. Mit Vorgriffshorizont wird diejenige Zeitspanne beschrieben, die zwischen Terminschranke und dem Planungszeitpunkt liegt.
Abwertung von Auftragsstunden:
Pro Planungsperiode erreichen nicht alle Aufträge ihren vorgesehenen Arbeitsplatz, deshalb ist eine Abwertung von dringlichen Aufträgen vorzunehmen, die sich auf Arbeitsplätze beziehen. Der Abwertungsfaktor wird zur Berechnung der indirekten Belastung einer Arbeitsstation benötigt, welche jene Belastung ist, die von Aufträgen stammt, die vorher bearbeitet wurden.
Bestimmung einzulastender Aufträge:
Mit einzulastende Aufträge werden Aufträge bezeichnet, die alle Belastungsschranken der zu durchlaufenden Arbeitsplätzen einhalten bzw. nicht überschreiten, sie werden darauf hin freigegeben bzw. eingelastet und an den Arbeitsstationen bearbeitet.